Evangelische Kirchengemeinde Langenselbold - Katharina von Bora Haus
Katharina von Bora Haus
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Evangelisches Gemeindezentrum

Katharina-von-Bora-Haus

Hinserdorfstraße 2a

63505 Langenselbold

 

Das Evangelische Gemeindezentrum (Baujahr: 1956) befindet sich im Ortsteil Hinserdorf, direkt an der Gründaubrücke.

Parkmöglichkeit: Einfahrt über Bendergasse

Öffentliche Verkehrsmittel: Die Bushaltestelle "Hinserdorfstraße" des RMV befindet sich direkt vor dem Haupteingang.

Geografische Daten (z.B. für Navigation): 9° 02' 12'' Ost - 50° 10' 31" Nord

Wer ist „Katharina von Bora“, die unserem schönen Gemeindehaus den Namen gab.

Sie wurde 1499 geboren und besuchte ab 1504 die Klosterschule der Benediktinerinnen Brehna (bei Halle/S.). 1508 tritt sie in das Kloster Nimbschen (bei Grimma) ein, wo sie 1515 das Gelübde ablegt. Damit wird sie zum frühestmöglichen Termin Nonne. Im Zisterzienserinnenkloster Marienthron in Nimbschen bei Grimma, wo auch ihre Tante Margarethe von Haubitz, die Äbtissin des Klosters, lebte, ist sie durch eine Verpflegungsliste seit 1509/10 nachzuweisen. Dort lernte sie lesen, schreiben, singen und etwas Latein und lernte auch die betriebswirtschaftlichen Abläufe der Landwirtschaft kennen.

Bald darauf las Katharina mit ihren Ordensschwestern die ersten Schriften des Reformators Martin Luther, die sich kritisch mit dem Klosterleben auseinandersetzen. In ihr und anderen Nonnen reifte der Gedanke zur Flucht aus dem Kloster. Sie beschloss gemeinsam mit einigen anderen Nonnen, aus dem Kloster zu fliehen. Die Frauen baten Luther um Hilfe, worauf dieser ihnen zu Ostern 1523 einen Wagen schickte, in dem Katharina und acht ihrer Ordensschwestern, hinter Heringsfässern versteckt, flohen und unter Mithilfe des Torgauer Ratsherren Leonhard Koppe entkamen.

Sie findet Aufnahme im Hause Cranachs des Älteren in Wittenberg. Sie entwickelt Zuneigung zu dem in Wittenberg studierenden Hicronymus Baumgärtner, einem Patriziersohn aus Nürnberg, dessen Eltern ihn aber zurückbeordern. Der Dozent Pfarrer Glatz aus Orlamünde wirbt um Katharina, sie lehnt jedoch ab. In einem Gespräch mit Nikolaus von Amsdorf soll sie geäußert haben, daß sie Luther heiraten wolle. Luther wiederum wollte lieber Ave von Schönfeld, eine andere ehemalige Nonne aus der Nimbscher Gruppe heiraten. Luther selbst war bislang Junggeselle geblieben und zunächst an Ave von Schönfeld interessiert. Nachdem diese entschieden hatte, Basilius Axt zu heiraten, entschlossen sich Luther und Katharina für die Eheschließung. Am 13. Juni 1525 wurden Katharina von Bora und Martin Luther von Johannes Bugenhagen im Schwarzen Kloster getraut.

Katharina Luther ordnet fortan den Haushalt, nutzt das auf dem Kloster liegende Braurecht, betreibt Viehzucht und pachtet dafür mehrere Grundstücke. Am 7. Juni 1526 wird der älteste Sohn Martins und Katharinas, Johannes (Hans) geboren. Am 10. Dezember 1527 folgt die Geburt der Tochter Elisabeth, sie stirbt jedoch bereits im Alter von 8 Monaten. Die am 4. Mai 1529 geborene Tochter Magdalena stirbt im Alter von 13 Jahren. 1531, 1533 und 1534 werden schließlich noch die Söhne Martin und Paul bzw. die Tochter Margarethe geboren. Alle heute lebenden Nachkommen Martin Luthers stammen aus der Linie Margarethes.

Luthers Tod 1546 brachte Katharina von Bora in eine wirtschaftlich prekäre Situation. Luthers Testament bzw. der Ehevertrag wurde zunächst nicht anerkannt. Erst ein Machtwort des Kurfürsten Johann Friedrich I. von Sachsen sicherte ihr wesentliche Teile der Erbschaft und der Rechte. So konnte sie in dem alten Klosterbau bleiben. Sie wurde u. a. von Herzog Albrecht von Preußen und König Christian III. von Dänemark finanziell unterstützt.

Sie floh 1546 vor dem Schmalkaldischen Krieg mit ihren Kindern nach Magdeburg und kehrte erst im Juli 1547 wieder nach Wittenberg zurück. Ihre Gebäude und Ländereien waren zwar verwüstet, aber nicht zerstört. Trotzdem geriet sie durch die finanziellen Belastungen des Wiederaufbaus in wirtschaftliche Not. Dank der Unterstützung der genannten Fürsten konnte sie sich jedoch wirtschaftlich erholen. 1552 musste sie Wittenberg wegen der Pest und Missernten erneut verlassen. Sie flüchtete nach Torgau und starb dort am 20. Dezember 1552.